Kirche von Weng

Weng

Drei gotische Kirchen stehen wie würdige Wahrzeichen einer großen Zeit fast in einer Linie von Süden nach Norden im Freisinger Gebiet: die erste ist Inhausen nahe bei Haimhausen, die letzte Johanneck nördlich der Amper, und in der Mitte die schöne Kirche von Weng. Sie, dem heiligen Georg geweiht, rechnet zu den bedeutendsten Bauten der Gegend. Der Turm, weit ins Land schauend, gehört der Münchner Bauschule an, nicht etwa der Landshuter, wie so oft im Norden Freisings.

Ein prachtvoller, hoher, freier, gewölbter Bau tut sich beim Eintreten auf. Die Schlußsteine des Netzgewölbes sind gleich »Urkunden der ganzen Geschichte des Kirchenbaues«. Wir lesen auf dem westlichen Schlußstein des Chorgewölbes Inschrift und die Zahl 1468 als das Erbauungsjahr; auf dem östlichen Schlußstein ist St. Georg als Kirchenpatron zu sehen, und auf dem mittleren ein in rotem Felde nach rechts springendes Pferd, das Wappen der Frauenberg, deren einer oder eine dies Gotteshaus erbauen ließ.

Die Chorstühle zeigen schöne Flachschnitzerei, und besonders einige Seitenaltäre sind von großem Interesse und einer gewissen Originalität. Der linke davon ist laut Inschrift durch den Freisinger Domherrn Franz Anton von Fraporta aus Trient gestiftet worden, datiert ist er 1738. Darum herum ist ein sehr origineller Rahmen gelegt, um das Madonnenbild stehen die fein geschnitzten Figürchen der vierzehn Nothelfer in sehr achtbarer Arbeit. Am linken Seitenaltar an der Kirchenwand steht eine gute Madonnenfigur aus dem 14. Jahrhundert. Allen diesen Kunstwerken voran steht aber das ausgezeichnete Marmordenkmal der Stifterin Anna von Frauenberg und ihres Gatten von 1472, einem der besten Zeugnisse spätmittelalterlicher Grabplastik Altbayerns. Wir sehen die beiden Stif-terfiguren liegend in kniender Stellung auf einem von zwei Engeln gehaltenen Grabtuch, dieses eine erstaunliche technische Arbeit des Bildhauers. Die obere Hälfte der Grabplatte zeigt das Brustbild Christi.

Nicht genug mit diesem Meisterwerk der gotischen Bildhauerei, müssen wir noch die Glasfenster im Chor der Kirche bewundern, die aus der Erbauungszeit stammen. Die Wappen der Frauenberg und Pappenheim, die Stifterbildnisse, die Figuren der Heiligen Georg, Sebastian, Johannis Baptista, Katharina, Barbara und Anna-selbdritt. Ich habe immer wieder auf die große Seltenheit solcher Glasbilder aus gotischer Zeit in unseren Kirchen hingewiesen, hier können wir ein paar würdige Beispiele bewundern. Weng bietet uns noch ein seltenes Beispiel einer guten gotischen Architektur, in der auch noch viel aus derselben Zeit erhalten geblieben ist. Ein Blick von der Westseite der Friedhofmauer gibt uns die Sicht frei für die Schönheiten des Ampertals.

Wenn auch manches Detail an den Kirchen von Inhausen und Johanneck interessieren kann, so ist der stärkste Eindruck doch der von der schönen, erhabenen gotischen Architektur, die die Räume in edler Schlankheit zu ihren Gewölben hoch hinaufführt.

(aus Rümann-Drave: Schlüssel zur unbekannten Heimat, Südd. Verlag München 1962)