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Westlich von Allershausen, wo der Knick der Amper nach Osten hin
umbiegt, wo in der großen Kirche kaum Erwähnenswertes ist, außer
dem Kruzifix in der Sakristei, das der Leinberger-Schule sehr nahe steht,
liegt auf dem hohen rechten Amperufer das malerische Dorf Tünzhausen
mit seiner uralten romanischen Kirche St.Petrus und Paulus, das ehemals
Weihenstephan inkorporiert war, heute Nebenkirche von Kranzberg ist, und
vor allem durch seine zahlreichen Grabsteine dem Heraldiker und
Geschlechterforscher Interessantes bietet.
Will man eine kleine Buße ablegen, so steige man vom Ampergrund die annähernd hundert Staffeln zur Kirche empor, sonst führt eine kleine Dorfstraße durch eine Schlucht in Windungen hinaus; dort hat man den Vorzug - was so viele Besucher versäumen -, den besten Blick auf den fast gemütlichen dicken Turm zu gewinnen. Rundbogenfriese und die kleinen Turmfenster zeugen von der romanischen Erbauungszeit. Viergiebelig ist der dicke Herr und trägt ein spitzes, kurzes, achtseitiges Dach. Westlich an ihn lehnt sich das niedere Kirchenschiff, dessen barocke Fenster die alten Schlitze ersetzen und damit verraten, daß uns im Innern eine Überraschung bevorsteht. Und in der Tat, beim Eintritt vermag das Auge kaum irgendwo einen festen Halt zu gewinnen, so sehr häufen sich die reizenden Gegenstände. Beginnen wir mit der Decke. Dort ist ein sehr kurioses Fresko, eine Huldigung an den Patron des Viehes, den heiligen Leonhard, der oben zwischen jubilierenden Engeln schwebt, während ihrn ein bärtiger Priester im Chorrock mit der Stola auf einer Art von Altar ein Häuflein menschlicher Herzen opfert. Links kniet in frommer Verehrung eine Bauernfamilie, Mann, Frau und zwei Kinder, und ein fast wilder Knecht, rechts schaut mit unfreiwillig bösen Augen eine Versammlung von Tieren des bäuerlichen Hofes: Pferd, Ochs, Kuh, Schafe und Ziegen zu. Ein schöner Stuck umrahmt das Bild, das keinen Namen trägt, ungefähr 1750 entstanden ist, von einer Hand, die den Pinsel wohl beherrschte. |
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In dem mit Stuck überwölbten Altarraum steht der gerade noch
hineinpassende Barockaltar mit der Himmelskönigin als der Hauptfigur
und den Patronen als Seitenfiguren. Graziös hält die Gottesmutter
ihr göttliches Kind und neigt zierlich ihr mit der Krone geschmücktes
Haupt ihm zu; in der Rechten führt sie ein schön geformtes Zepter.
Der Stuck ähnelt sehr dem von Altenhausen und wäre deshalb in das
2. Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts zu setzen. Interessant ist der linke Altar
wegen der Darstellung eines seltenen Heiligen, St.Isidor, der ein spanischer
Landmann gewesen ist und gewöhnlich mit einem Engel, der die Pflugschar
führt, abgebildet ist. Hier kniet er bei einer kleinen Kirche und betet
zu dem vom Himmel kommenden Segensstrahl, den zwei Englein begleiten. Der
Heilige klemmt dabei in ganz natürlich abgelauschter Weise seinen riesigen
Hut (spanisch!) zwischen Ellbogen und Hüfte. Am rechten Altar ist z.
B. ein Engelskopf, der vielleicht ebensowenig Himmlisches zeigt wie ein
Ministrant Frommes, es ist das naturalistische Abbild eines bäuerlichen
Lausbuben, so naturnah, daß man mit ihm reden möchte. In den vier
Ecken des Langhauses am Gewölbe sind, in reichen Stuck gerahmt, die
vier großen Kirchenlehrer in Stuccorelief. Und ein köstliches
Bild von Gott Vater, auch in Stuck, hängt oben an der linken Seitenwand,
seine linke Hand faßt die riesige Weltkugel, die Rechte das Zepter,
so kommt er aus den Wolken hervor, der Sturm wühlt in seinem Haupthaar
und weht ihm durch den Bart: eine höchst originelle Darstellung, die
sich brüderlich zu den anderen bäuerlich-eigenwilligen Bildwerken
stellt.
Man kann auf der »Insel« noch Kranzberg oder Kühnhausen besuchen, auch deren Kirchen beherbergen einiges Sehenswerte, dann könnte man mit bestem Gewissen sagen: diese »Insel« habe ich gründlich durchwandert und kennengelernt, und es hat mich nicht gereut. (aus Rümann-Drave: Schlüssel zur unbekannten Heimat, Südd. Verlag München 1962) | |