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Wir wenden uns amperabwärts östlich gegen Moosburg zu.
In leichten Schwingungen und kleinen Höhen und Senken schlängelt
sich die Straße am linken alten Hochufer der Amper bis Inkofen. Aber
vorher machen wir doch noch halt in dem mit Resten eines alten Schlosses
begabten Dorfe Haag an der Amper, wo eine sehr hübsche Kirche unsere
Aufmerksamkeit verdient. Schon der Zugang zur Pfarrkirche St.Laurentius ist
kurios: vom breiten Dorfplatz aus führt eine schöne Treppe mit
Steingeländer und Brüstung in einer engen »Schlucht«
zwischen zwei ganz gleich gebauten hübsch proportionierten Häuschen
hinauf zum Gottesacker geradewegs auf den Chor der Kirche zu, in dessen
verschaltem Fenster ein großes Kruzifix Platz gefunden hat. Der in
späterer Zeit verlängerte Kirchenraum wird von einem Deckenfresko
von der Meisterhand des Münchner Hofmalers Christian Wink aufs
schönste belebt: es stellt, 1789 gemalt, die Verehrung Mariä dar.
Und im Chor hat der gleiche Maler die Heilige Dreifaltigkeit gefeiert, wie
auch auf dem Hochaltar den Kirchenpatron St.Laurentius, der vor dem kaiserlichen
Statthalter steht und sein Urteil erwartet. Die schief in den Raum gestellten
Seitenaltäre entwickeln in ihrem dekorativen Beiwerk den Kampf des
ausgehenden Rokoko mit dem kommenden Louis-XVI.-Stil: Vasen, Girlanden, Rahmen
weisen auf die drohende Versteifung hin, die den alten phantasievoll lebendigen,
fröhlich prickelnden Stil des Rokoko ablöst. Ungemein graziös
aber ist der Stuckrahmen des Deckengemäldes im Altarraum, der oft
ausgelassen ins Bild hineingreift. Das ist noch echtestes Rokoko. Einige
Motive, wie z. B. der Übergang pflanzlicher Motive in eine rein
architektonische Form, hier Kapitell, gehen auf Vorbilder zurück, die
sich im Kupferwerk eines Francois Cuvilliés bei seinen Rocaillerien
wiederfindet. Solche Kupferfolgen mit Ornamentdarstellungen waren ja vom
Künstler zur Anregung für die Kunsthandwerker herausgegeben. Hier
sehen wir also ein ganz klein wenig in den Kunstbetrieb hinein, was für
Möglichkeiten zur Verbreitung vorzüglichster Kunst vorhanden waren.
Wer konnte an den Vorlagen eines so genialen Vorbildes, wie Cuvilliés
es war, vorübergehen!? Auch hier läge wahrscheinlich eine Fundgrube
für die Forschung, die sich demThema »Stucco« verschreiben
sollte.
Die Straße führt weiter nach Osten, das Ampertal weitet sich und vereinigt sich mit dem von Süden kommenden Isarfluß. Inkofen und Kirchamper sind die letzten Orte am linken Amperufer vor diesem Zusammenstrom beider Flüsse. Wie immer bilden die nun doppelten Flußauen eine Gegend von atmosphärischer feuchter Stimmung, die schon manchen Landschaftsmaler angezogen hat, so z.B. den berühmten, 1917 verstorbenen Toni Stadler, der in dieser Gegend viele seiner Landschaften gemalt hat. Kirchamper hat noch seinen gotischen Turm und den Altarraum aus derselben Zeit. Einige alte Figuren und ein Stück des Moosburger Chorgestühls, hierher verschleppt, können interessieren. In Inkofen fällt der ganz im Landshuter Stil aufgeführte Turm mit seinen Spitzbogenblenden und den Eckaufsätzen an der Turmspitze auf. (aus Rümann-Drave: Schlüssel zur unbekannten Heimat, Südd. Verlag München 1962) |
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